ASSISI, DIE BASILIKA SAN FRANCESCO UND WEITERE STÄTTEN DER FRANZISKANER
WELTKULTURERBE
Assisi ist ein Wallfahrtsort, in dem es nicht nur zahlreiche von Spiritualität erfüllte Kirchen gibt – wo Momente der inneren Einkehr nur im Beisein der Touristenmassen möglich sind –, sondern auch ein Ort mit Gassen aus rosa Stein, der im Licht der Abenddämmerung und in den bezaubernden Gärten glitzert. Es ist, als sei die Persönlichkeit des Hl. Franziskus, dem berühmtesten Sohn der Stadt, vollständig auf den Ort, an dem er lebte und in dem er die Geschichte des Christentums maßgeblich beeinflusste, übergegangen. Bei der Besichtigung der dem Hl. Franziskus geweihten Basilika verschlägt es dem Besucher regelrecht die Sprache. Das UNESCO- Weltkulturerbe von Assisi gehört zu den größten Italiens und umfasst die Oberkirche, die Unterkirche, die Kirche Santa Chiara, diverse andere Kirchen und, vor der Stadt, das Eremo delle Carceri – mit den Grotten, in denen Franziskus mit seinen Freunden lebte. Auch die Basilika Santa Maria degli Angeli, die Hüterin der Portiuncula, der Kapelle, die Franziskus eigenhändig wieder auf baute und wo er seinen Orden der Minderen Brüder sowie der Klarissen gründete und starb, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, besonders dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend in großem Glanz: von dir, Höchster, ein Sinnbild“: so lautet der Sonnengesang des Hl. Franziskus.
NICHT ZU VERPASSEN
„Dieser Ort ist wirklich schön und erinnert an die Umbrische Schule: was für Linien am Horizont, was für Berghänge in der Ferne! Ich war in Assisi: eine wunderbare Erfahrung – Stadt und Heiligtum – für all diejenigen, die Natur- und Kunstversteher sind und sich im Einklang mit der Geschichte, Fantasie und der menschlichen Liebe befinden.“
Nachdem wir in Assisi die wichtigsten Stätten besichtigt haben, werden wir sehen, wie recht Giosuè Carducci hatte.
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„In Assisi begann er zuerst zu
reden. Er predigte überall dort,
wo sich Menschen versammelten,
auf Märkten und Straßen, vor
den Toren und entlang der
Gartenmauern. Seine Worte
waren schlicht und voller Liebe
[…]. Er berührte die Herzen vieler
und führte sie zur Meditation
und zur inneren Einkehr, und
es begann eine schweigende
Verehrung den Prediger zu
umgeben, von dem eine Kraft
und Stärke wie von einem guten
und leuchtenden Stern ausging.“
Auch wenn mittlerweile 700 Jahre vergangen sind, scheinen die Worte des Hl. Franziskus in jedem Winkel der Stadt widerzuhallen: Die brennende Hingabe, die in den Kirchen und Klöstern zu spüren ist, die in der Abenddämmerung rosa glitzernden Gassen sowie die Fresken der Basilika San Franceso prägen die Atmosphäre der Stadt. Und somit ist es gar nicht notwendig, die von Liebe erfüllten Worte, auf die sich Hesse in den Biografien und den Erzählungen, den Liedern und den Gedichten bezieht, gelesen zu haben: Die Botschaft des Heiligen kommt in den Gesten der Tausenden von Gläubigen zum Ausdruck – in ihrem Lächeln, ihrem Eifer und ihrer Begeisterung – sodass sie für jeden Besucher klar verständlich wird.
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Die italienischen UNESCO-Welterbestätten erzählen ihre Geschichte durch die Worte großer Schriftsteller, die ihre Geschichte und Schönheit gefeiert haben
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„VON DIESEM STÜCK LAND GEHT EINE BESONDERE VISION DES MENSCHEN UND DES LEBENS AUS: MAN MUSS SIE IN DER STILLE ERFASSEN, INDEM MAN WIE AUF EINER ALTEN PILGERREISE VON EINEM ORT ZUM ANDEREN GEHT.“
LESEEMPFEHLUNGEN
Buchempfehlungen, um die spirituelle Seite der Franziskus-Stadt erfassen zu können.
- Elegien, Sextus Aurelius Propertius (28 v. Chr.). Assisi verbinden wir in der Regel nicht mit der leidenschaftlichen Liebe. Doch die Tatsache, dass in Assisi Propertius geboren wurde, ein Meister der Liebeslyrik, legitimiert diese ungewöhnliche Verbindung.
- Italienische Reise, Johann Wolfgang von Goethe (1816–17). Der Reisebericht über die Bildungsreise Grand Tour, die Goethe (1786–1788) unternahm, ist eine Reise in die Welt der Kunst, der Kultur und der landschaftlichen Schönheiten Italiens. Goethe schrieb auf seiner Reise von Ferrara nach Rom nur wenige Seiten über Assisi. Goethe äußert sich hier kaum über die Basilika San Francesco, schreibt jedoch sehr positiv über den Minerva-Tempel.
- Antologia Carducciana. Poesie e prose, Giosuè Carducci (1902). Viel wurde über die kontroverse Beziehung zwischen Carducci und der Religion geschrieben: Der Dichter war antiklerikaler Freimaurer und hatte die Satanshymne geschrieben, sich jedoch im Laufe seines Lebens Gott wieder angenähert. 1877 hielt sich Carducci aufgrund eines Auftrags des Ministeriums in Assisi auf und war von der spirituell geprägten Stadt begeistert.
- Franz von Assisi, Herman Hesse (1904). In diesem Büchlein, das nach einigen Reisen nach Italien zwischen 1901 und 1904 entstand, beschreibt Hesse – wie im Werk Siddartha aus dem Jahr 1922 – einen jungen, spirituellen Menschen: „Seit der Antike lebten immer wieder große und großartige Menschen auf der Erde, die nie daran dachten, durch einzelne außergewöhnliche Taten oder durch das Verfassen von Gedichten und Büchern Ruhm zu erlangen. Dennoch übten solche Geister einen enormen Einfluss auf ganze Völker und Epochen aus“.
- Das Unglück und die Gottesliebe, Simone Weil (1950). Sammlung aus sieben Briefen und fünf Aufsätzen mit religiösen Themen, die zwischen 1941 und 1942 entstanden und von der Autorin an ihren Vertrauten, den Dominikanermönch Joseph-Marie Perrin, gesendet wurden. In ihren Briefen und Aufsätzen schreibt Weil über ihre Annäherung an das Christentum durch Meditationen, Gedanken, Zweifel und eigene Erfahrungen.
- 18 mal Italien, Guido Piovene (1957). Unter den zahlreichen Reisen, die Piovene während seiner Italienreise unternahm, darf Assisi natürlich nicht fehlen. In seiner Analyse von Wirtschaft, Gesellschaft und Kunst kommt auch die Sorge um die Zukunft dieser Stadt in einer Zeit zum Ausdruck, als der Massentourismus langsam Fuß fasste. Wer weiß, was er heute darüber denken würde.
- Land der Schatten, Vittorino Andreoli (1994). Andreoli widmete Umbrien ein Buch voller Poesie und Meditation, in dem der Blick auf das Wesentliche gelenkt wird. Der Psychiater beschreibt die Region folgendermaßen: „ein Land der Abenteuer, um sich selbst zu entdecken, dieses verborgene Ich, das im Wahnsinn unserer Zeit gefangen ist“.
- Storia di Chiara e Francesco, Chiara Frugoni (2011). Es ist die Geschichte zweier gebildeter junger Menschen aus wohlhabendem Elternhaus im Italien des Mittelalters. Beide sehen das Elend der Welt, was sie dazu bringt, sich ihres Reichtums zu entledigen, um sich voll und ganz den Schwächsten der Gesellschaft zu widmen.
- Chiara di Assisi. Elogio alla disobbedienza, Dacia Maraini (2013). Ein Dialog, eine kühne und und sich gegenseitig unterstützende Schwesternschaft zwischen zwei Frauen, die ganze Jahrhunderte trennen, jedoch durch das Bedürfnis verbunden sind, frei sprechen zu dürfen. Die Autorin lässt die Heilige von ihrem Leben außerhalb des Schattens von Franziskus erzählen.
Kinder- und Jugendliteratur:
- San Francesco und der Wolf, Chiara Frugoni, Felice Feltracco (2013). Die Mittelalter-Expertin zeichnet auf poetische Weise die Legende vom Wolf von Gubbio nach, deren Moral von außerordentlicher Aktualität ist.
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