HADRIANSVILLA (TIVOLI)
WELTKULTURERBE
Vor den Toren Tivolis befindet sich die von 118 bis 138 n. Chr. erbaute Vorort-Siedlung des Kaisers Hadrian. 20 Jahre wurde am leuchtendsten Stern aller Kaiservillen der römischen Antike gebaut. Für die damalige Zeit wurden sehr weit entwickelte Ingenieursund Hydrauliktechniken eingesetzt. Die Villa erstreckte sich auf einem Gebiet von etwa 120 Hektar am Fuße der Monti Tiburtini, genauer gesagt auf einem zwischen zwei Gräben liegenden Tuffsteinplateau. Die Hadriansvilla ist eine der größten Villen, die je existierte, fast so groß wie eine Stadt, die in mehrere Bereiche unterteilt war. Die einzelnen Bereiche umfassten auf der einen Seite repräsentative Gebäude und Thermengebäude, auf der anderen Seite die Sommerresidenz und Monumente. Wir müssen uns hier einen riesigen Baukomplex vorstellen, der in einem zur damaligen Zeit grünen, blühenden und an Wasservorkommen reichen Gebiet eingebettet war und sich zudem in der Nähe von Rom befand: eine strategisch günstige Lage. Tempel, Bibliotheken, Theater, das Odeon, Gartenstadien und Thermen; Zeugnisse von Reisen, die Hadrian in die Provinzen unternommen hatte, befanden sich in der gesamten Villa. Alles war mit Fresken, Stuck, Mosaiken, Säulengängen und Wasserspielen dekoriert. Noch heute ist der Besuch der Villa ein absolutes Muss.
NICHT ZU VERPASSEN
„Er ließ in Tivoli eine Villa außerordentlicher Pracht errichten, in der die berühmtesten Orte der Provinzen des Reiches wie Lyzeum, Akademie, Pritaneum, die Stadt Kanopus, Pecile und das Tal von Tempe mit ihren Namen abgebildet waren. Um nichts auszulassen, ließ er dort auch die Unterwelt darstellen.“
In der spätantiken Sammlung von Lebensbeschreibungen römischer Kaiser, Historia Augusta, welche Vita Hadriani (XXVI, 5) beinhaltet, wird der Kaiser und dessen Villa in Tivoli so beschrieben, dass noch heute beim Besucher das Interesse geweckt wird, diese kaiserliche Sommerresidenz zu besichtigen.
Google Maps
„Über die Treppe [...] steigt man zum Poggio
über Kanopus auf. Der Blick, der sich einem von
diesem Gipfel aus eröffnet, ist außerordentlich
schön. Die seitlichen Loggien des Kanopus,
die Bäder, die Ruinen des Palastes, die
hundert Kammern, der Pecile bilden einen
bewundernswerten Kontrast zu den Kiefern,
Zypressen und Olivenbäumen, und in der Ferne
dient das kleine Schloss auf dem Patulus dazu,
einen Raum bildlich auszufüllen, den man im
Gemälde ohne es finden würde.“
Viaggio a Tivoli, Filippo Alessandro Sebastiani
Wer die alten Ruinen Tivolis besichtigt, für den sind die Villen,
darunter auch die Hadriansvilla, ein absolutes Muss. Besucht
man die Hadriansvilla und stellt sich vor, wie sie in der Antike
aussah, so kann man einiges über denjenigen lernen, der die
Villa erbauen ließ: der Kaiser Publius Aelius Hadrianus, bekannt
unter dem Namen Hadrian (76–138 n. Chr.). Er regierte über 20
Jahre und ging in die Geschichte als gebildeter und aufgeklärter
Kaiser ein – Liebhaber der Kunst, der Philosophie, des Schönen
und allem, was mit der griechischen Kultur zusammenhing.
In den von ihm beherrschten Gebieten ordnete er den Bau
von Straßen, Häfen, Thermenanlagen und Theatern an. Er
zog den Frieden und die Verteidigung der Grenzen neuen
Eroberungen vor. Außer der Hadriansvilla ließ er in Britannien
den Hadrianswall sowie in Rom die Engelsburg und zwischen
112 und 124 n. Chr. den Neubau des Pantheons errichten.
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„DAS ENSEMBLE WURDE DURCH IMPOSANTE BAUMUND GARTENANLAGEN KOORDINIERT, DIE MIT BRUNNEN, NYMPHÄEN UND DEKORATIVEN WERKEN ALLER ART VERSEHEN WAREN. DER KOMPLEX MUSSTE MALERISCH UND EINHEITLICH GEWESEN SEIN UND VON SOLCH UNVERWECHSELBARER EINZIGARTIGKEIT, DASS ER KEINEN VERGLEICH IN ÄHNLICHEN WERKEN DER ANTIKEN UND MODERNEN WELT FINDET.“
LESEEMPFEHLUNGEN
Buchempfehlungen, um mehr über die Hadriansvilla zu erfahren
- Historia Augusta Vita Hadriani, (4. Jh.). Die Sammlung eines unbekannten Autors von Lebensbeschreibungen römischer Kaiser von Hadrian bis Numerianano beinhaltet das Gedicht Animula vagula blandula, das nach seinem ersten Vers benannt ist. Es handelt sich um ein Gedicht, das der Kaiser Hadrian kurz vor seinem Tod an seine Seele richtet. Es wird auch im Werk Marguerite Yourcenars in Ich zähmte die Wölfin: Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian zitiert („Mein Seelchen, freundliches Seelchen du, so wanderlustig immerzu / dein Leib war nur dein Gasthaus und nun / sollst du die letzte Reise tun / in jenes Reich, wo alles so öd‘ und kahl und bleich / in jene Nacht, wo keiner mehr deine Späßchen belacht.“).
- Il Dialogo tra Epitteto e l’imperatore Adriano (zweite Hälfte 13. Jh.). In diesem Text eines anonymen Autors geht es im Dialog zwischen dem jungen Epiktet und dem Kaiser um diverse Themen, unter anderem um die Verbindung zwischen Gott und Mensch.
- Viaggio a Tivoli, Filippo Alessandro Sebastiani (1828). Es ist die Erzählung über eine sehr persönliche Reise nach Tivoli Mitte des 17. Jhs. Beim Lesen fängt man an, Tivoli und dessen unsterbliche Schönheiten zu verstehen.
- Ich zähmte die Wölfin. Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian Marguerite Yourcenar (1951). Der Roman der franösisch-belgischen Autorin ist der beste Weg, um den Kaiser kennenzulernen, der die Hadriansvilla in Tivoli erbauen ließ. Das Buch hat die Form eines in sechs Abschnitte gegliederten langen Briefes, den der seinen Tod erwartende Hadrian seinem Adoptiv-Enkel und designierten Zweitnachfolger Mark Aurel schrieb.
- Architettura dei giardini, Francesco Fariello (1967). Beschrieben wird die Geschichte der Gärten in den einzelnen Geschichtsepochen mit Bezug auf Kunst und Architektur. Es gibt auch Platz für die Gärten der Hadriansvilla.
- Hadrian, James Morwood (2013). Das Buch beschreibt das Leben und das Werk Hadrians und beleuchtet auch den psychologischen Aspekt, dem eines gebildeten, talentierten und erfolgreichen Mannes, der voller Gegensätze steckt
- Adriano. Roma e Atene, Andrea Carandini, Emanuele Papi (2019). Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk der beiden bekanntesten Archäologen Italiens. Es beschreibt die Orte, die für den Kaiser stehen, vom Pantheon bis zur Engelsburg, und erzählt von Geschichte und Architektur sowie vom Leben derer, die in diesen Bauwerken gelebt haben.
- Antinoo, un uomo, un dio, Raffaele Mambella (2021). Der junge Antinoo stand dem Kaiser sehr nah. Über ihn zu lesen bedeutet somit, auch Hadrian nahe zu kommen, der in ein tiefes Loch fiel, als der Junge starb.
Kinder- und Jugendliteratur:
- L’enigma di Boussois (I misteri di Villa Adriana), Pier Federico Caliari (2022). Historisch inspirierter Roman noir mit der französischen Hauptfigur des Charles Louis Boussois. Der Roman spielt zwischen Baumonumenten und den Fundstücken der Hadriansvilla.
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